Stottern


Stottern ist eine Redeflusstörung um die sich hartnäckig viele Mythen ranken und die auch heute noch mit Tabus behaftet ist. Stottern kann plötzlich auftreten oder sich langsam entwickeln. Es flukturiert, d.h. alle Stotterer haben gute und schlechte Tage, teilweise sogar völlig stotterfreie Phasen.  Wir wissen inzwischen, dass Stotterer strukturelle Unterschiede in bestimmten Gehirnbereichen zeigen und  dass es eine genetische Prädisposition gibt. Dies wiederlegt den Mythos, dass Stottern durch Unsicherheit und Stress ausgelöst wird. Psychische Faktoren wie Stress oder Angst  können Stottern jedoch verstärken. Es gibt keine vollständige Heilung für Stottern aber es gibt Therapien für Stotterer aller Altersgruppen, die die Symptome deutlich verbessern.

 

In der Stottertherapie mit Kindern bieten wir das Lidcombe Program an, welches international als das erfolgreicheste, evidenzbasierteste Programm anerkannt ist. In diesem Programm erlernen die Eltern eine Technik, die sie zu Hause mit den Kindern durchführen können. Mit erwachsenen Stotterern führen wir das Camperdown Program oder den Van Riper Ansatz der Blockmodifikation durch, in Verbindung mit Atemtechniken, Achtsamkeit, Entspannungsmethoden und verhaltenstherapeutischen Techniken. Alle unsere Patienten berichten von einer flüssigeren Sprachweise, deutlich verringerten sozialen Ängsten und Vermeidungsverhalten und insgesamt grösserem Selbstbewusstsein, Zufriedenheit und Wohlbefinden.

 

stottert mein kind?

Viele Kindern erleben eine Phase der Redeunflüssigkeiten im Alter von 2 bis 5 Jahren. Dieses "Entwicklungsstottern" ist geprägt von lockeren Wiederholungen von ganzen Wörtern oder Satzteilen. Dem Kind sind diese Unflüssigkeiten nicht bewusst und es plappert einfach weiter. Es wird angenommen, dass diese Unflüssigkeiten auftreten, da Kinder in diesem Alter eine Phase der intensiven Sprachentwicklung erleben und versuchen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und zu erklären. Umweltstressfaktoren, wie sie im normalen Familien- und Kindergartenalltag auftreten, spielen ebenfalls eine Rolle. 3 von 4 Kindern wachsen aus diesen Unfüssigkeiten heraus, so lange die Umwelt richtig reagiert.


Im Gegensatz zum "Entwicklungsstotterns" zeigen Kinder mit einem profunden Stotterern sichtliche Spannung, Vermeidungsverhalten und Störungsbewusstsein. Stotternde Kinder vermeiden oft Blickkontakt, hören auf zu sprechen oder sprechen nur mit bestimmten Menschen.

 

WAS Verursacht stottern?

Verschiedene physische und psychische Faktoren spielen eine Rolle in der Entwicklung und Aufrechterhaltung von Stottern. Neueste Forschungen haben sowohl strukturelle Unterschiede als auch ungewöhnliche funktionale Verarbeitungsprozesse in den Gehirnen von Stotterern festgestellt. Dies beweist, dass Stottern eine neurologische Entwicklungsstörung ist und nicht durch emotionale Prozesse verursacht wird. Ebenfalls physisch beweisbar ist die genetische Prädisposition: 50 bis 75 % von Stotteren haben mindestens einen Verwandten, der ebenfalls stottert. Diese Prädisposition bedeutet jedoch nicht, dass sich zwingend ein profundes, lebenslanges Stottern entwickeln muss. Auch wenn der erste Stotterimpuls physisch ist, die Reaktionen der Umwelt bestimmen, wie stark ausgeprägt das Stottern wird. So lange Kommunikationspartner mit Geduld und Interesse auf den Inhalt des Gesagten reagieren und nicht auf das Stottern, verringern sie den Druck und verbessern dadurch die Symptome.

 

 

 

wie kann ich helfen?

  • Konzentrieren Sie sich darauf, WAS ihr Kind sagt und nicht WIE es spricht
  • Vermeiden Sie jeglichen kommunikativen Druck
  • Vermeiden Sie jeglichen Wettbewerb um Sprechzeit
  • Nehmen Sie sich Zeit zuzuhören und schauen Sie Ihr Kind aufmerksam an
  • Unterbrechen Sie Ihr Kind nicht und sprechen Sie nicht seine Sätze zu Ende
  • Bleiben Sie ruhig und entspannt. Sorgen stehen Ihnen ins Gesicht geschrieben.
  • Verstärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes

Empfehlenswerte Webseiten:

 

British Stammering Association www.stammering.org;

The Michael Palin Centre for Stammering Children www.stammeringcentre.org